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Alle Mann in die Rettungsinsel !
Ein Bericht vom HSCF-Sicherheitstraining
Am 6. Februar 1999, einem kalten Wintersamstag, trafen sich 12 TeilnehmerInnen
im Sportinstitut zum Sicherheitstraining des HSCF. Klaus-Jürgen Müller
hatte nach 3 Jahren Pause wieder dazu eingeladen. Zunächst ging es um Theorie,
im Hörsaal, mit Folien didaktisch aufgearbeitet und humorvoll verpackt.
Welche Einweisung muß der Skipper der Mannschaft geben, welche Rolle spielt
der Co-Skipper, warum müssen alle mal "Mann über Bord" geübt
haben? Damit der Skipper auch mal baden gehen darf natürlich. Wieso hat
er aber nicht den Lifebelt getragen? Und wer darf SOS funken, wenn der Skipper
in Panik gerät? Kann er fast gar nicht nach dem 1-tägigen Training,
in dem wir ganz viele kleinere und größere Katastrophen an Bord durchgekaut
haben. Einige TeilnehmerInnen waren erfahrene SkipperInnen und hatten schon
Notfälle erlebt, diese wurden dann nochmal besprochen, z.B. Mastbruch (jedes
Crew-Mitglied sollte wissen, wo der Wantenschneider steckt) oder einen durchgedrehten
Skipper. Auch das Absetzen eines richtigen Notrufs über Funkkanal 16 wurde
geübt und manches andere, das uns neue Sicherheit in Streßsituationen
geben dürfte.
Dann folgten noch kurze Einweisungen in die Themen Seenotsignalmittel und "Rettungsinsel", dieses merkwürdige Plastikteil, das wohl gelegentlich Leben rettet, ansonsten aber eher ein wackeliges, nasses und beengendes Gummischlauchboot mit Dach ist. Aber dazu gleich.DOT
Zunächst ging´s nach draußen, wo jeder von uns mal ein Signalmittel abfeuern durfte. War alles in der spottbilligen Kursgebühr von 60 DM enthalten. Von den einfachen Blitzgeräten, die jeder nächtliche Rudergänger an sich haben sollte, damit man ihn in der See wiederfindet, wenn er sich nicht angeleint hatte (sollte er aber!), über Handfackeln bis zu den großen Fallschirmsignalpatronen und -raketen, die man aus der Pistole abfeuert, war alles da. Und das echte Abschießen war auch eine gute Erfahrung, selbst wenn man wie ich die Theoriekenntnisse durch den Pyroschein schon bewiesen hatte.
Dann ging es ins Schwimmbad. 10 finstere Gestalten schlichen in Badehose durch das FT-Bad, um sich hinten im Sprungbecken in voll verkleidete SeglerInnen zu verwandeln. Gummistiefel, Overall, Rettungsweste, Lifebelt, Handschuhe, alles mußte angezogen werden. Die FT-Besucher guckten erst mal verwundert, dann zunehmend fasziniert, als wir nicht nur ins Wasser sprangen (die Automatikweste macht tatsächlich unter Wasser "plopppp", wenn sie aufgeht - schon mal probiert?), sondern uns dann gegenseitig abschleppten (selbst leichte Leute wiegen mit all den Klamotten erstaunlich viel) und auch noch vom 5- oder 10-Meter-Turm jumpten. Eine wichtige Übung, falls man mal von der Titanic oder einem anderen größeren Schiff springen muß. Und das Erstaunliche: allen machte es Spaß. Bis auf einen Kollegen mit Höhenangst, der Arme, der sich aber auch überwand und schon im Sprung wieder lächelte. Klaus-Jürgen, der ja auch beruflich irgendwie mit Sport zu tun haben muß, beeindruckte uns dann alle mit einem doppelt gewoppelten (oder wie heißt das?) Spezialsalto vom 10er, ohne beim Eintauchen zu spritzen. Naja, er ist ja auch dünn genug.
Der Höhepunkt war dann das Auslösen dieser sog. Rettungsinsel, die sich erstaunlich schnell entfaltet.
Und dann kam ein mittleres Zirkusprogramm: Rein in die Insel, wieder raus, zu zweit rein, zu acht rein (Platzangst!!), alle wieder raus, Kentern, einen Bewußtlosen reinziehen in das wackelige Ding, alles durchaus trainierbare Techniken, die uns im Ernstfall das Überleben sicher leichter machen würden. Schießlich auch Aufrichten des gekenterten und vollgelaufenen Gummifloßes, und zwar allein ohne Hilfe.
Nach dieser Übung kommt mir der Ausdruck Rettungsinsel nicht mehr über die Lippen. Die Hauptgefahren auf See, wenn das Schiff gesunken ist und die Mannschaft in diesem Ding sitzt: Unterkühlung (selbst im geheizten Schwimmbad wurde uns z.T. kühl, vor allem wenn man in dem Floß in etwa 50 cm Wasser sitzt), Verletzungen, Hygiene (das überlasse ich der Phantasie der geschätzten LeserInnen), Seekrankheit (auch schon im Schwimmbad annäherungsweise zu merken) und nicht zuletzt die psychische Situation, höchst beengt auf hoher See in diesem wackeligen Floß steuerlos zu schwimmen. Wir konnten alle sehr gut nachvollziehen, daß das sehr sehr belastend sein muß.
Was hat mir dieser Tag gebracht? Neben ganz vielen kleinen technischen Tricks und Tips, die im Ernstfall sehr nützlich sein dürften, vor allem eins: jedes noch so kaputte, mast- und steuerlose, halbvollgelaufene und gekenterte Dickschiff ist ungefähr 100 mal sicherer und gemütlicher als dieses Rettungsfloß, das ich persönlich erst freiwillig besteigen würde, wenn mein Schiff wirklich nicht mehr auf dem Wasser, sondern auf dem Grund schwimmt.
Allen LeserInnen empfehle ich dringend die Teilnahme an weiteren Sicherheitstrainings, die Klaus-Jürgen bald wieder anbieten will.
Peter Schröder
Wiederholung des Sicherheitstrainings
Aufgrund mehrerer Anfragen planen wir, Ende Juni oder Anfang Juli noch einmal ein Sicherheitstraining anzubieten. Vor-anmeldung möglichst sofort bei Klaus-Jürgen Müller, Tel. 07641/574331, 0761/2034541, E-Mail: kjmu@ruf.uni-freiburg.de. Die Teilnehmerzahl ist auf 12 begrenzt; die Reihenfolge der Anmeldungen entscheidet.
Klaus-Jürgen Müller
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