Inhalt
Ausguck
Termine
Seglerstunde
BR-Kurs
Navihelfer
Kindersegeln
Jollies
Protokoll
Ostsee II
Backskiste
Impressum
|
Törnbericht Ostsee/Dänemark
Fortsetzung: aus dem WELLENBRECHER 31
Bericht von Cetin Sipahi und Lore
Teil 1 im 31
Das Schönste und Spannendste war das
Kreuzen vor der Einfahrtpassage
zwischen Untiefen hin und her. Lore
navigiert perfekt und warnt vor Untiefen.
Nach 47 sm Tagesetappe laufen wir
spät abends in Arö auf der Steuerbordseite an. Der Hafen ist voll - kein Platz.
Päckchen an Päckchen liegen alle
Schiffe wie eine Herde von Schafen im
Hafenwasser. Wir legen ängstlich und
zurückhaltend an der Fischerpier an.
Nach unserer bettelnden Frage, ob wir
hier liegen bleiben dürfen, antworten die
Fischer mit einem großzügigen
Kopfknicken. Das ist Dänemark. Die
Menschen sind sehr freundlich und nicht
hektisch.
Ich habe in keinem Hafen ein Verbotsschild gesehen, das mit Paragraphen
droht. Die Schilder fangen immer mit
Bitte an: z.B. 'Bitte wenn es möglich ist,
hier nicht anlegen'.
Um 9. h morgens müssen wir ablegen.
Die Fischer brauchen unseren Platz; wir
ankern vor dem Hafen in einer Bucht mit
Sandstrand. Dort genießen wir unser
Frühstück im Cockpit unter blauem Himmel und warmer Morgensonne. Die Ostsee ist eine grüne Quallensuppe. Bis 50
cm Wassertiefe sieht man den Boden
nicht. Es ist mir eine Rätsel, warum manche Orte hier paradiesische Namen wie
Südsee oder California haben?
Wir motoren unter prallheißer Sonne
durch den Kleinen Bellt mit seinen sattgrünen Wäldern und rauchenden Industrieschloten. Wir passieren Steuerbord
die berühmte tausendjährige Stadt Middelfart und suchen mit dem Fernglas
die berühmten Fachwerkhäuser. Vor jedem Haus steht ein beflaggter Mast.
Endlich, wir sind wieder auf offener See
und setzen Segel. Kurs zur Insel Samsö.
19,45h. erreichen wir den wie eine Festung aussehender Hafen Kolby Käs. Wir
sind wieder zu spät für einen Liegeplatz.
Nach fehlgeschlagenen Versuchen, lockt
mich am Ende des Hafens ein orange
leuchtender Riesenfender. Mit Höflichkeit
gemischter Frechheit, machen wir leise
an einem Superschiff einer Contessa 44
fest. Sofort kommt der Hafenmeister angeradelt und sagt uns sehr höflich, daß
wir wahrscheinlich die Ausfahrt versperren, aber wir könnten bleiben. Der
Contessa-Skipper ist ein Konzernchef
aus Düsseldorf. Wir unterhalten uns und
diskutieren. Mit Hilfe des Weines lösen
wir alle Probleme dieser Welt. Endlich
um 23 h wird es dunkel und wir legen
uns in die Koje.
9 h morgens, wir haben 70 sm Tagesstrecke vor uns, bis nach Thrönse
und Swendborg. Damit ist die Umrundung Fühnens abgeschlossen. Lore führt
die tägliche Routine Kontrolle unter Deck
durch: Bilge und Motorraum, Ölstand.
Gas- und Getriebeverbindungen. Die
Tageswerte werden ins Logbuch
eingetragen, sowie Logge, Motorstunden
und Luftdruck. Alles OK, wir
verabschieden uns von unseren
Freunden. "Mast- und Schotbruch, gute
Reise". Den ganzen Tag zwingt uns
dieses Revier zu metergenauer Navigation. Mit vollen Segeln und leichter
Ostbrise gleiten wir zwischen Tonnen
und Wegepunkten, durch den Großen
Bellt nach Süden. 10,45h Wegepunkt
195 passiert, 13 h WP 196 Backbord
querab, 15,30h WP 229 Steuerbord
querab passiert. 18 h Elshoven
Leuchtturm gerundet. Motor an, Segel
bergen. 19,45h Throense an der Insel
Täsinge anlegen.
Nächster Tag: Wir wollen heute die sogenannte schönste dänische Altstadt
Svendborg besichtigen. Wir kreuzen gegen 3 kn. Strömung unter vollem Segel
bis Svendborg und besichtigen die
Stadt. Wir sind nicht so begeistert und
um 12 geht´s weiter. Bis zur Insel
Skarö kreuzen wir gegen Wind und
Strömung, in der engen Fahrrinne. Das
ist ein Leckerbissen und ein
aufregendes, prickelndes Erlebnis für
uns beide. Lore mit aufgeregter Stimme:
7m, 6m, 5m, Cetin..., wohin willst du?
4m., Mensch - Klar zur Wende , Reeee!
Die Segel flattern, die Winsch knirscht,
"Hol dicht die Vorsegel....recht so" noch
mal 7m, 5m, jetzt aber, klar zur Wende.
Achtung ein Schiff. "Weiter so, wir haben
Vorfahrt" ...Achtung ! hop hop ..heeey wir
sind auf Backbordbug, Vorfahrt, Vorfahrt!
Dankee ..Cetiiin 4m schnell jetzt
wenden.. Reee!!!
19 h Motor an, WP 281 passiert, Kurs
Äreskobin genau 200 bis zur Hafeneinfahrt. Wir sind wieder zu spät. Eine Weile
kreisen wir im Hafen, finden dann ein
Päckchen mit vier Schiffen und kuscheln
uns als fünftes längsseits.
Äreskobin hat eine der schönsten Altstädte Dänemarks. Es soll die beliebteste Filmkulisse sein. Wir erfrischen uns in
der schönsten Eisdiele der Welt mit
einem riesigem Sahneeis.
Nach kurzem Stadtbummel setzen wir
uns zum Abendessen in den Garten
eines herrlichen Restaurants. Der Garten
ähnelt einem Blumenladen. Wir genießen
eine Flasche Bordeaux Blanc,
Steinbeißerfilet gebraten in Zitronenbutter mit KrevettenChampignonragout auf Blattspinat. Die
Bordkasse wird geplündert. Für Hafengebühren bleiben 100 Kronen.
Den letzten Tag, bis Wendtorf sind es 40
sm. Nach dem Wetterbericht nähert sich
eine neue Westwetterlage. Vielleicht
haben wir mit dem Schönwetter Glück bis
heute Abend Spätestens nachmittags
sollten wir in Wendtorf sein. Das
Barometer fällt von 1010 HPa. auf 1008
HPa. Der Wempe Barograph zeigt uns
genau, wie die Drucklinie langsam
abwärts sinkt. Beim Wegepunkt 281
passieren wir Position 54 56 16 N , 10
54 58 E, ich will eine Abkürzung machen.
Auf der Karte ist die Wassertiefe mit 5 bis
7m angegeben. Ich gebe Lore den
neuen Kurs: 85 . Die Antwort kommt
prompt. "Das ist nicht der Fahrwasser
Kurs". "Lore, ich weiß schon, wir müssen
abkürzen um Zeit zu gewinnen." Gesagt,
getan. Ich bin noch am Kartentisch. Lore
schreit.. 5m, 4m, 3m, Cetin komm schnell
2m. Der Tiefenmesser schlägt Alarm
piep, piep. Ich springe ins Cockpit. Der
Tiefenmesser zeigt 2 Komma Null Meter.
Meine Güte, Vollgas zurück.. Vollgas
zurück.. Wir bewegen uns zurück,
befreiendes Aufatmen. Der Tiefenmesser
zeigt wieder 3m. Wir können hier nicht
wenden. Lore muß denselben Weg
zurückfahren. "Bleib auf Kurs, aber dieses mal bitte rückwärts"... Anwort: Habe
ich's Dir nicht gesagt? Der Kurs war
falsch!"
Wir sind wieder in der Fahrrinne. WP
289, WP 290 und Segel setzen. Kurs
190 Kieler Leuchtturm. Der Wind dreht
von Ost nach Südost, das Barometer ist
seit gestern Abend auf 1006 Hpa. gefallen, später auf 1004.. der Wind nimmt
zu... Wir müssen so schnell wie möglich
bis nach Wendtorf kommen. Wir segeln
die letzten 20 sm unter 5 bft Wind mit 7
kn. Der Himmel wird immer düsterer.
Seegang baut sich auf.
16:30h, wir laufen in Wendtorf ein und
gerade festgemacht, begießt uns der
Himmel wieder mit starkem Regen und
Windböen. Wir sind gerettet. Wie am ersten Tag schlagen Falle und Schoten an
die Masten, der Wind heult durch die
Wanten, als ob Poseidon persönlich von
uns Abschied nehmen will.
Cetin Sipahi und Lore
Alle Zeichnungen Cetin Sipahi
|
|