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Gulf of St. Lawrence
Ein Törnbericht (Teil 2)
Fortsetzung aus dem WELLEN BRECHER 29
Teil 1 im 29
(dort auch Kartenübersichten)
Von Jadwiga Martinez / Montreal
mit Logbuch-Unterstützung von Carole Martin.
26 .Juli bis 8.August 1997
Inzwischen ist es Dienstag, die Flügel bei allen wieder oben. Mit frischem Mut machen wir uns im Morgengrauen auf den Weg nach Escuminac. Der Sonnenaufgang ist romantisch. Aber der Wind bläst heftig und kommt von vorne, d.h. von SO. Am frühen Nachmittag haben wir Spitzen bis zu 50 kn. Der Skipper entscheidet Kehrtwende. Wir flüchten wieder gen Festland, schämen uns aber, erneut in Anse a Beaufils einzulaufen und visieren daher das 30 km weiter südwestlich gelegene Chandler in der geschützten Baie des Chaleurs an. Gegen 16 Uhr können wir endlich in der kürzlich eröffneten Marina eine ordentliche Dusche nehmen. Der Traum von den Magdalenen Inseln hat sich inzwischen fast erledigt. Die Überfahrt von 250 sm würde mindestens 2 Tage dauern, und wir können uns nicht leisten, tagelang auf günstigen Wind zu warten.
Ab dem 5. Tag wurde der Törn dann endlich gemütlich. Der Wind stellte sich bei etwa 15 kn ein, aber die SO-Richtung ändert er nicht. Nach einer ruhigen Nachtfahrt kommen wir am nächsten Abend nach 110 sm endlich im Fischerhafen von Escuminac an. Wir sind jetzt nicht mehr in Quebec, sondern in der Provinz New Brunswick. Man spricht hier Englisch, Französisch und Chiac, eine Mischung aus beidem. Wie in allen kanadischen Fischerhäfen gibt's natürlich keine Duschen, und kaufen kann man auch nichts.
Von Escuminac aus überqueren wir am nächsten Tag die Northumberland Enge zur Prince Edward Insel, der dichtbevölkertsten Provinz Kanadas. Es ist schon ziemlich spät. Unser Skipper täuscht sich kurz vor dem Ziel in einer Leuchtboje. Wir irren unter Motor im Lichtermeer vor dem Jachthafen von Summerside herum, um erst kurz vor Mitternacht etwas müde und entnervt anzulegen. Die Waschräume haben eben geschlossen.
Prince Edward ist berühmt für seinen Kartoffelanbau. Der Charakter der Insel ist typisch englisch, genauso wie die Fish 'n Chips auf der Speisekarte. Samstag und Sonntag ist hier alles zu, selbst Autovermieter. Die größte Attraktion ist im Moment die neue Konfederationsbrücke, die die Insel mit dem Festland verbindet. Sie wurde 1997 fertiggestellt, ist 13 km lang, und die Rechnung von 30 Mio Dollar ist noch offen. Da müssen wir natürlich hin, möglichst auf dem Wasser. Aber zunächst mal gabīs eine erholsame Fahrradtour auf der Insel.
Sonntag ist dann Brückentag. Irgendwie haben wir immer noch den Traum, möglichst weit zu kommen, mindestens bis zur Südspitze von Prince Edward, und dann vielleicht bei optimalem Wind Richtung Magdalenen Inseln ....
Aus irgendwelchen Gründen geht es dann aber erst um 14 Uhr los. Die Brücke liegt vor uns. Wir segeln auf Sicht genau auf die Mitte zu. Es gibt nämlich entlang der ganzen Brücke nur dort einen einzigen Brückenbogen mit einer Miniatur-Rot/Grün-Beschilderung und da müssen wir als ordnungsliebende Bürger und Segler durch.
21/2 Stunden später sind wir dann unter der Brücke. Es herrscht eine ziemlich starke Strömung und wir sind die einzigen auf dem Wasser. Der ständig vorliche Wind frischt auf bis zu 30 kn. Unser Skipper stellt sich zum x-ten Mal die Frage, ob wir vielleicht besser wieder umkehren sollten; was wir kurz darauf denn auch tun, da das Grundseeproblem der Häfen entlang der Küste in der Tat gefährlich werden könnte. So kreuzen wir die Brücke eben ein zweites Mal. Die Photoapparate werden nochmals gezückt, und wir genießen zum ersten Mal achterlichen Wind.
Im Morgengrauen beginnt dann die Rückreise mit dem Ziel Fischerhafen von Richibukto/ New Brunswick. Richibukto ist sehr malerisch, aber die Fischer klagen über das Fischereiverbot, über die Robben und über die kommerziellen Fischgesellschaften, die für den kleinen Mann nichts übrig lassen. Kaufen kann man, wie überall in dieser Gegend, nichts. Wir haben schon erste Anzeichen von Skorbut wegen chronischem Obst- und Gemüsemangel.
Von Richibukto steuern wir am nächsten Morgen den 70 sm entfernten Ort Shippegan an. Der Wind hat inzwischen gedreht und kommt aus N/NO. Unser Kurs ist genau rechtweisend Nord. Nach 12 Stunden hart am Wind, teils unter Segel teils unter Motor, kommen wir an. Shippegan ist mehr oder weniger eine Sandbank. Stromverhältnisse und wandernde Sandbänke vor der Küste erfordern genaueste Berechnungen fürs Einlaufen. Wir kommen bei auslaufendem Strom und einbrechendem Hochwasser an, ein beeindruckendes Wasserbild.
Die letzten 3 Tage verlaufen ohne aufregende Erlebnisse über die schon bekannte Anse a Beaufils, den Felsen von Percé, und ein Fleckchen namens Grande Greve, das sich durch eine Hafeneinfahrt von der Größe einer Garageneinfahrt auszeichnet. Natürlich gab es kurz vor Grande Greve wieder mal eine unserer beliebten Kehrtwenden, wegen plötzlich drehendem Wind. Alles in allem war es aber ein gelungener Törn.
Carole Martin & Jadwiga Martinez
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