Inhalt
Ausguck
Fahrtenreferent...
Jollen '98!?
Ausbildungsskip...
Flottille '98?
Törnbörse (aktuell!)
Stammtisch
Törnbericht...
Gulf of St. ...
Nachruf...
Backskiste
Impress...
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Gulf of St. Lawrence
Ein Törnbericht (Teil 1)
Von Jadwiga Martinez / Montreal
mit Logbuch-Unterstützung von Carole Martin.
26.Juli bis 8.August 1997
Ausgangspunkt für unseren zweiwöchigen Törn ist Gaspé auf der gleichnamigen Halbinsel, ca. 1000 km nordöstlich von Montreal. Geographisch befinden wir uns hier etwa auf der Höhe von Freiburg nur eben auf der anderen Seite des Atlantiks.
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Jadwiga Martinez
ist Gründungs-
mitglied des HSCF. Sie war von 1989 bis 1992 erste Kassenwartin.
Seit Mitte 95 baut sie sich eine Existenz in Kanada auf.
Sie bestreitet ihren Lebensunterhalt mit der Veröffentlichung eigener linguistischer Forschungen.
Carole Martin
arbeitet in einer kanadischen Behörde. Sie plant, 1998 ihren Wohnort auf ein Schiff zu verlegen.
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Von der Mündung des St.Lorenzstroms aus sollte es südostwärts, zu den Magdalenen Inseln mitten im Golf von St.Lorenz gehen, dann weiter südlich zur Prince-Edward Insel und wieder zurück. Wegen 8 - 9 Windstärken und hohen Wellen gleich zu Beginn des Törns, fiel die Überfahrt zu den Magdalenen gleich mal ins Wasser. Letztendlich sind wir dann nur bis Prince-Edward und zurück gekommen und haben dabei rund 500 sm zurückgelegt.
Unser Schiff mit dem Namen THE ROSE war eine Sun Fizz 40’ mit zwei Achterkabinen und einem vorderen Schlafdreieck. Toilette gab´s nur eine und zwar im Vorschiff. Das Schiff zeichnete sich durch chronischen Stauraummangel in den Kabinen aus, dafür war aber die standardmäßige Ausrüstung ganz gut: unter anderem ein GPS, ein Mikrowellenherd und Geschirrtücher en masse.
Die Besatzung bestand aus vier Frauen und drei Männern, die alle sehr verträgliche Leute waren, keine Vegetarier und keine Machos.
Was die Navigation betrifft, gibt es 3 wesentliche Unterschiede zu europäischen Gewässern:
1. Die Mißweisung beträgt -23° Grad, kann also auf keinen Fall vernachlässigt werden.
2. Die Maßeinheiten sind in der Regel Faden und Fuß.
3. Die Betonnung ist genau gegensätzlich zur Europäischen: hier entspricht rot Steuerbord und grün Backbord.
4. Alles ist auf Französisch.
Die Ausbildungsideologie unseres Veranstalters, eine nicht profitorientierte Segelschule, unterscheidet sich von der des HSCF folgendermaßen:
1. Rettungswesten werden nur auf ausdrücklichen Wunsch der Crew-mitglieder herausgegeben, dafür aber sind Sicherheitsgurte obligatorisch.
2. Die Sicherheitseinweisung zu Beginn eines Törn macht man nur auf Anfängerniveau, was dann auch prompt zu Wassereinbruch wegen eines offenen Ventils geführt hat.
3. Manöver üben oder zumindest checken ist unwürdig für einen Törn von mittlerem Schwierigkeitsgrad.
4. Hafenmanöver werden ausschließlich vom Skipper ausgeführt.
5. Wacheinheiten dauern strikt 4 Stunden, das sei professionell. Letztendlich erwies sich aber dieses System auf unserem nicht-professionellen Törn als unhaltbar.
Endlich Samstag 17 Uhr starten wir, nachdem die Reparaturen, die die vorherige Crew uns großzügigerweise hinterlassen hat, abgeschlossen sind.
Als erste Etappe bewegen wir uns zum 2 Stunden weiter südlich gelegenen Fischerhafen Anse Brillant. Der Wind bläst ziemlich kräftig, die Wellen sind hoch, aber die Stimmung ist noch sehr gut, auch bei den drei Leuten, die noch nie auf dem Meer gesegelt sind.
Am nächsten Tag, so gegen 11 Uhr, geht’s dann weiter. Wir haben ja noch
sooo viel Zeit! Eigentlich sollte es ein 100 sm Schlag nach Escuminac werden. Aber in der starken Dünung schaukeln wir mit unserem Am-Wind-Kurs ziemlich hin und her. Wir haben schon einen Schwerkranken an Bord, und mir geht’s auch nicht besonders gut. Der Skipper entscheidet schließlich, den Kurs zu ändern und gen Küste zu segeln, in den Fischerhafen Anse à Beaufils.
Nach einer gründlichen Schiffsreinigung wollen wir uns am nächsten Morgen mit teilweise etwas hängenden Flügeln wieder auf See begeben. Aber sieh da, der Himmel hat die Gebete unseres seekranken Ingenieurs Luc erhört: Sekunden nach dem Start gibt der Motor im Hafenbecken seinen Geist auf. Das Schiff ist nicht mehr manövrierfähig, und vor den Augen der (zwangs)arbeitslosen Fischer werfen wir im Hafen Anker.
Identifizierung und Reparatur der Panne sollten bis in den späten Nachmittag dauern. Wir waren mit einem 3/4 leeren Reservetank gefahren. Bei der starken Kränkung am Vortag hatten die Injektoren dann Luft statt Diesel angesaugt. Für die Mannschaft war es ein erholsamer Tag. Und da man in Anse à Beaufils nichts kaufen kann, haben wir uns damit begnügt, Achate und Jaspis am Strand zu sammeln.
Teil 2 folgt im WELLENBRECHER 30
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